Presseaussendung

Kinderbetreuung in Niederösterreich – Wahlfreiheit erwünscht!

St. Pölten, 11.08.2014

Sowohl die von der INTERESSENVERTRETUNG DER NÖ FAMILIEN beauftragte Studie FAMILIEN IN NIEDERÖSTERREICH als auch der Bericht aus der DENKWERKSTATT FAMILIE, der von Frau LRin Mag.a Schwarz in Auftrag gegeben worden ist, und aktuelle Umfragen zeichnen ein klares Bild: „Die in Niederösterreich lebenden Familien sehen die Betreuung und Erziehung ihrer Kinder als ihre ureigenste Aufgabe“, so OStR Prof. Dr. Grubner, Präsident der Interessenvertretung der NÖ Familien. „Die Kleinsten verbringen im Normalfall ihre ersten und wichtigsten Lebensjahre am liebsten innerhalb der Familie oder sie werden von den Großeltern, Verwandten oder befreundeten Personen betreut. Damit sich das Baby oder Kleinkind der Umwelt sorglos und neugierig öffnen kann, braucht es Rückhalt und Kontinuität. Das wärmende und fürsorgende Biotop Familie – in welcher Art auch immer - bildet jene überschaubare Erstgemeinschaft, die das Erlernen von Urvertrauen ermöglicht, Werte vermittelt und für die Zukunft stärkt“, betont Grubner.

Unserer Erfahrung nach wird zwar in Kinderkrippen oder Hortgruppen durch Qualität versucht, die Familie zu ergänzen. In diesen institutionellen Einrichtungen kann aber nicht Kinderbetreuungsgeld und Karenz sind deshalb wichtige Maßnahmen, damit Kleinstkinder in der Familie betreuen Ist dies nicht möglich und werden diese frühzeitig institutionell betreut, lässt der Trennungsschmerz manches Kind aggressiv reagieren oder es zieht sich zurück. Stress und nachhaltige Verhaltensauffälligkeiten können die Folge sein. Grubner gibt zu bedenken, „Mütter und Väter wünschen zunehmend die flexible Betreuung durch Tageseltern, um ihren Kindern zumindest ein familienähnliches Umfeld zu ermöglichen, wenn sie wegen der oftmals gesellschaftlich erwarteten frühzeitigen Rückkehr in den Beruf gefordert sind, bereits in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder Familie und Beruf zu vereinbaren. Tagesmütter und Tagesväter, die insbesondere diese Kleinstkinder aufnehmen, fehlen vor allem im ländlichen Raum, wie die aktuellen Zahlen belegen.“

Ab dem zweieinhalbten Lebensjahr können niederösterreichische Familien ihre Kinder im Kindergarten anmelden. Für diese Altersgruppe gibt es zudem ein größeres Angebot an Tageseltern sowie an institutioneller Tagesbetreuung durch kirchliche oder private Trägerinnen und Träger. Auf diese Weise werden laut Statistik Austria mehr als 63.600 Kinder in über 3.600 Gruppen betreut. Der Bedarf an familiengerechten Öffnungszeiten ist hoch, wie der Kindergartenstatistik des Landes zu entnehmen ist. Schließlich wurden im vergangenen Kindergartenjahr bereits 467 Kinder ab 6.30 Uhr betreut, wobei mehr als 300 der insgesamt rund 1.050 Kindergärten bereits bis 17 Uhr geöffnet haben.

Grundsätzlich fällt es in den eigenen Wirkungsbereich der Gemeinden, die in ihrem Gebiet benötigten Formen der Kinderbetreuung von Krabbelstube über Tagesmütter bis hin zur schulischen Nachmittagsbetreuung anzubieten. Laut dem NÖ Kindergartengesetz ist vor und/oder nach der Bildungszeit (8.00 Uhr – 13.00 Uhr) eine Betreuungszeit einzurichten, sobald Bedarf für 3 Kinder gegeben ist. Die finanzielle Förderung durch das Land Niederösterreich ist dabei an Rahmenbedingungen gebunden, um den bedarfsgerechten Einsatz der Mittel zu gewährleisten.

Insofern beinhaltet ein flächendeckendes bedarfsgerechtes Versorgungsnetz nicht überall das gleiche Angebot, da es in Anbetracht der unterschiedlichen demographischen Entwicklung in Regionen sinnvoll erscheint, über die Gemeindegrenzen hinweg Synergien zu nutzen und das punktuell passende Kinderbetreuungsangebot bereitzustellen. Im Sinne von Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es auch vielen entsprechend zertifizierten Betrieben ein sehr wichtiges Anliegen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, was bereits erfolgreich umgesetzte Maßnahmen zeigen, wie z.B. Betriebskindergärten oder bedarfsgerechte flexible Arbeitszeiten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die in niederösterreichischen Städten lebenden Familien überwiegend mit dem Betreuungsangebot zufrieden sind. Aufgrund der Angebotsdichte können sie die individuell passende Betreuungsform wählen, sei es zu Hause, bei Tageseltern oder in institutionellen Einrichtungen. In ländlichen Gebieten sind vor allem die Eltern der unter Zweieinhalbjährigen deutlich stärker gefordert, die optimale Betreuung ihrer Kinder zu organisieren. Grubner abschließend, „neben dem Wohl des Kindes steht für Mütter und Väter die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Mittelpunkt. Deshalb braucht es in allen Gebieten Niederösterreichs die Wahlfreiheit der Kinderbetreuungsart. Aus diesem Grund begrüßen wir die im letzten Monat erfolgte Änderung der §15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die auch den Ausbau des Tageselternangebotes ermöglicht, und fordern dessen rasche Umsetzung.“

OStR Prof. Dr. Josef Grubner ist Präsident der Interessenvertretung der NÖ Familien, Vorsitzender des Familienverbandes der Diözese St. Pölten und war bis 2008 Humanwissenschafter an der Pädagogischen Hochschule in Wien. 

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